Sicherheit im Reitsport
Reithelme & Sicherheitswesten
Autor: Manfred Grebler
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Reithelm Kauf - Hinweise und Tipps

Normen - Testberichte - Sicherheit

Aktuelles Update:
Die Norm EN1384 ist veraltet, Helme nach der neuen Übergangsnorm kommen derzeit nach und nach auf den Markt.

Wer jetzt einen neuen Helm kaufen will, sollte darauf achten, ein Modell nach der aktuellen Norm "VG1" zu erhalten oder wenn möglich, noch ein wenig warten, bis die überarbeiteten Modelle verfügbar sind. - Mitunter sind allerdings Helme nach der alten Norm EN1384 als Restposten recht günstig zu bekommen. Dann kann man natürlich ein Schnäppchen machen, man sollte nur darauf achten, dass das Produktionsdatum des Helmes nicht mehr als 2 Jahre zurück liegt.
Die folgenden Informationen sind bezüglich der EN1384 Norm als nicht mehr aktuell, werden aber erst überarbeitet, wenn es mehr Informationen und Helme entsprechend der aktuellen Norm gibt.
Fast alle heute erhältlichen Reithelme entsprechen der europäischen Norm EN1384. Diese Norm schreibt Mindestanforderungen an Reithelme fest. Zu beachten ist jedoch, dass diese Norm im Laufe der Zeit mehrfach überarbeitet wurde. Aktuell sind die Fassungen von 1996 bzw. 2002. Reithelme die bis 1996 gebaut wurden entsprechen daher nicht mehr den aktuellen Anforderungen. (Abgesehen davon, dass so alte Reithelme sowieso einfach nur entsorgt gehören!)
Relevant ist außerdem die englische "PAS015" Norm , welche höhere Anforderungen stellt und eine höhere Sicherheit garantiert, da alle Helme nach englischer Norm regelmässig aus laufender Produktion überprüft werden.
Immer wieder werden Fragen gestellt nach dem "sichersten" Reithelm. Leider läßt sich die Frage nach der Qualität (im Sinne von Sicherheit) der zahllosen angebotenen Reithelme nicht eindeutig beantworten. Solange es keine genormten Prüfverfahren gibt UND jeder Hersteller die entsprechenden Meßwerte bekanntgibt (wie es z.B. im Bereich der alpinen Sicherungstechnik üblich ist), bleibt ein Vergleich schwierig bis unmöglich.
Die Testberichte in Zeitschriften helfen da auch nur bedingt weiter. Am meisten Informationen bieten wohl noch die verschiedenen Testberichte in Cavallo (siehe unten). Allerdings sind die neueren Tests auch nicht mehr so aussagekräftig wie früher und ein direkter Vergleich mit den älteren Tests ist nicht mehr möglich. Der Test der "Stiftung Warentest" ist hingegen viel weniger aussagefähig, weil dort nur irgendwelche Noten genannt sind, deren Zustandekommen im Dunklen bleibt.
Als relativ wertlos erachte ich diverse "Tests" in verschiedenen Pferdezeitschriten, wo nur Design, Tragekomfort und andere subjektive Kriterien verwendet werden.

Grundsätzlich fehlen in allen Tests fundierte Versuche in Richtung Haltbarkeit und Verhalten bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Die überall berücksichtigten Kriterien Paßform und Bequemlichkeit sind in meinen Augen dagegen reichlich sinnlos, da dies doch stark von der Kopfform abhängt.
Auch Mehrfach-Sturz-Versuche wurden meines Wissens noch nie durchgeführt. Natürlich gilt die Regel, einen Reithelm nach einem Sturz auszutauschen. Aber zum einen wird diese nicht immer befolgt und zum anderen: Man kann ja schlecht immer einen Reservehelm im Stall haben... Und gerade bei Kindern oder auch in Springstunden kommen ja doch öfters mal leichte Stürze vor. Hier jedesmal den Reithelm austauschen wird in der Realität kaum jemand machen. Daher wäre ein Test der verbleibenden Sicherheit eines Reithelms nach einem Sturz durchaus interessant.
Ein weiteres grunsätzliches Problem bei Testberichten: Gerade die ganzen Reithelme aus Fernost werden immer wieder teils sichtbar und teils wohl auch unsichtbar leicht verändert ohne deswegen auch die Bezeichnung zu ändern. Man kann also nicht wissen, ob der aktuell angebotene Reithelm tatsächlich genau dem getesteten Modell entspricht. (Bei europäischen Markenherstellern sollte diese Gefahr geringer sein solange man auf die genaue Modellbezeichnung achtet.) Hinzu kommen natürlich Produktionsschwankungen, entsprechende Testreihen (z.B. 5 gleiche Reithelme mit unterschiedlichem Herstellungsdatum vergleichen) wurden meines Wissen ebenfalls noch nie durchgeführt.

Viel wichtiger als die höchste Sicherheit (die man sowieso im Einzelfall nicht überprüfen kann) erscheint mir, dass der Reithelm bequem ist und rutschfest sitzt. Und dies hängt entscheidend von der individuellen Kopfform ab, so dass hier keine allgemein gültigen Empfehlungen zu geben sind.
In einer Hinsicht möchte ich obigen Satz jedoch einschränken: In den letzten Jahren hat die Verbreitung von "Noname"-Helmen (meist auch China) stark zugenommen. Diese Reithelme bieten teilweise ein attraktives Design bei günstigem Preis. Ich persönlich würde aber einem solchen China-Produkt (so schick sie auch aussehen mögen) nicht mein Leben anvertrauen wollen. Und derartige Noname-Produkte waren auch die einzigen Reithelme, die im Test der Stiftung Warentest (07/2005) wegen Nicht-Erfüllung der Norm ein 'mangelhaft' erhielten.
In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein Wort zu der EN-Norm für Reithelme und deren Bedeutung:
Man hört mitunter Aussagen wie: "Hauptsache der Helm entspricht der Norm, dann kann er doch nicht schlecht sein." - Dies ist leider nur bedingt wahr:
Dass dies nicht nur Theorie ist, das zeigen sämtliche Tests, bei denen eigentlich EN-geprüfte Reithelme eben nicht diese Anforderungen erfüllten.
Deutlich mehr Aussagekraft besitzt die englische PAS015-Norm. Denn hier muss jeder geprüfte Helm in regelmässigen Abständen erneut den Test bestehen. Toleranzen in der Produktion bleiben da nicht lange unbemerkt. Allerdings werden in der Regel nur teure Helme englischer Hersteller bzw. Anbieter nach dieser Norm getestet. (Die Kosten für diese laufenden Tests aus der Produktion sind natürlich nicht unerheblich.)
Beim Kauf eines Helmes sollte man auch auf das Produktionsdatum achten. Dieses ist auf einem Etikett im Helm aufgedruckt. Auch im Laden liegende Helme altern und ein Helm, der vor über 2 Jahren produziert wurde, kann nicht mehr so lange benutzt werden, wie ein Helm, der weniger als ein Jahr alt ist. Solche "Ladenhüter" sollte man daher wenn überhaupt nur als Restposten mit deutlichem Preisnachlass kaufen und entsprechend früher austauschen.

Passform

Ich habe es weiter oben schon angedeutet, das wichtigste Kriterium beim Kauf eines Helmes ist die Passform! Der Helm sollte einerseits bequem sein und nicht drücken, andererseits aber (bei korrekter Einstellung) möglichst gleichmäßig am Kopf anliegen und nicht rutschen. Dies bedeutet also, wenn man vorne oder seitlich den kleinen Finger zwischen Kopf und Helm stecken kann, dann passt der Helm definitiv nicht. Ein weiterer erster Test ist: Den Kinnriemen offen lassen, den Kopf nach unten halten und etwas schütteln. Der Helm sollte dabei nicht vom Kopf fallen. Bitte aufpassen, dass bei dem Versuch der Helm nicht auf den Boden fällt !!!
Die Kopfgröße (Kopfumfang in cm) ist nur EIN Kriterium für den richtigen Helm. Es gibt ganz unterschiedliche Kopfformen. Manche Köpfe sind (von oben betrachtet) eher eiförmig, andere fast kreisrund oder haben eine sehr flache Stirn. Ein und derselbe Helm kann niemals auf alle Kopfformen passen, aber unterschiedliche Helme haben unterschiedliche Formen. Man muss also manchmal länger suchen, um einen Helm zu finden, der perfekt auf den eigenen Kopf passt.
Bei verstellbaren Helmen ist übrigens zu beachten, dass sich die Form des Helms mit der Größenverstellung ändert! Denn die Verstellung wirkt sich in der Regel vor allem in der Längsrichtung, weniger oder gar nicht aber in der Breite aus.

Optische Gründe

Ich weiß, Reiterinnen sind oft eitel. Dennoch sollte die Optik eines Helmes das letzte Kriterium bei der Wahl sein. Was nützt der schönste Helm, wenn er nicht passt oder im Ernstfall keinen ausreichenden Schutz bietet? Fakt ist, dass die gerade die Helme von Casco, Uvex usw. in der Regel den besten Schutz bieten, auch wenn eine größere Gruppe von Reiterinnen deren Optik nicht mag. Für sehr "konservative" Reiterinnen gibt es noch die klassischen Samthelme von Charles Owen, die aber recht teuer sind und eine etwas eigenwillige Passform aufweisen.

Preis

Manchmal liest man in Foren: "Mehr als 60 Euro darf der Helm aber nicht kosten!" - Ist diesen Leuten ihr Leben (oder das ihrer Kinder) wirklich nicht mehr als 60 Euro wert? Zu diesem Preis bekommt man - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nur diverse Helme aus Fernost mit ungewisser Qualität. Gute Markenhelme kosten derzeit ab ca. 100 Euro, im Internet auch etwas weniger. Dann darf man halt nicht zu wählerisch sein, was das Design betrifft. Auf der anderen Seite sind sehr teure, exklusive Helme (> 500 Euro) auch nicht unbedingt besonders sicher. Hierzu gibt es meist auch keine Tests und Erfahrungen.
Man muss auch aufpassen, teilweise werden billige Helme, die in der Standardausführung gerade mal 60..70 Euro kosten mit Glitzer usw. optisch aufgewertet und kosten dann das Doppelte. Besser bzw. sicherer werden sie dadurch natürlich nicht.

Reithelm gebraucht kaufen?

Vom Kauf gebrauchter Reithelme kann ich im Allgemeinen nur abraten:

Kauf im Versandhandel?

Mitunter wird vom Versandkauf abgeraten, da ein Reithelm ja schließlich passen muß und man daher um eine Anprobe nicht herumkommt. Das ist soweit natürlich richtig. Allerdings gibt es im Versandhandel grundsätzlich ein 14-tägiges Rückgaberecht, so dass man den Helm (oder die Helme) seiner Wahl zu Hause viel sorgfältiger anprobieren kann als die in einem Laden möglich wäre. Um festzustellen ob ein Reithelm WIRKLICH passt ist ein mehrstündiges Tragen zu Hause sicher eine gute Möglichkeit. (Aber bitte vorher Haare waschen für den Fall, dass er doch zurückgeschickt wird!!)
Davon abgesehen ist die Auswahl in den örtlichen Reitsportgeschäftn doch oft arg begrenzt. Wer mit den Standard-Modellen nicht auskommt oder einfach nur ein etwas exotischeres Modell (Farbe) haben möchte, kommt um einen Versandkauf sowieo kaum herum. Reithelme englischer Hersteller (Charles Owen) kauft man am preisgünstigsten meist direkt in England, allerdings ist in dem Fall das hohe Porto für eine Rücksendung zu beachten...

Literatur-Hinweise und Links

"Rundum sicher mit Helm und Weste" - Schulungs DVD zu Reithelmen und Sicherheitswesten
(Angebot bei Amazon)
Testbericht Reithelme:
Stiftung Warentest 07/2005 (Testbericht online)
Testbericht Reithelme:
Cavallo 04/2009
Testbericht Reithelme:
Cavallo 2011
Testbericht Reithelme:
Cavallo 07/2013 (Nicht online verfügbar)
Webseiten von Herstellern:
Casco  
Charles Owen  
Troxel  
Uvex